Schwäbische süße Leckereien

Gerichte für den kleinen Geldbeutel und den süßen Zahn

18.06.2009 Elvira Lauscher

Apfelküchle, Kirschenmichel oder Scheiterhaufen. Kreative Namen für leckere Gerichte aus der schwäbischen Küche. Ein Genuss auch für „Neigschmeckte".

Den Schwaben wird nachgesagt, dass sie fast so sparsam sind wie die Schotten. „Schaffa, schaffa, Häusle baua“ lautet daher auch ein schwäbisches Sprichwort. Und tatsächlich finden sich auch heute noch in vielen Haushalten überlieferte Rezepte, die ideal für den kleinen Geldbeutel sind. Dazu sind viele der Gerichte schnell gemacht und sehr sättigend. Sie werden nicht nur als Nachtisch, sondern tatsächlich als Hauptgericht serviert. Und da sich in den Gerichten oft auch Produkte aus dem Garten oder der Natur finden, sind diese dazu noch ökologisch sinnvoll und richten sich nach den saisonalen Ernteerträgen. So gibt es zum Beispiel im Frühling Hollerküchle aus frischen Holunderblüten und zur Kirschenzeit wird der Kirschenmichel auf den Tisch gebracht. Schöne Äpfel wandern als Apfelküchle in die Pfanne, die weniger schönen (ausgeschnittene Fallobstäpfel zum Beispiel) werden klein geschnitten und mit hart gewordenem und übrig gebliebenem Brot zum Scheiterhaufen verarbeitet. Diese günstigen Verwertungsgerichte schmecken dazu einfach köstlich!

Kirschenmichel

Der Kirschenmichel ist ein leckerer Auflauf, der als Hauptbestandteil „alte“ Brötchen hat. Man kann zum Beispiel beim Bäcker Brötchen vom Vortag günstiger erwerben oder hart gewordenes Brot oder Brötchenreste aufbrauchen.

Zutaten:

  • 4 Brötchen (oder übrig gebliebenes Weißbrot)
  • 3 Eier
  • 3/8 Liter Milch
  • 60 g Butter
  • 120 g Zucker
  • 1 Messerspitze Zimt
  • abgeriebene Schale von einer halben unbehandelten Zitrone
  • 1 ½ bis 2 Pfund Kirschen oder ein Glas Schattenmorellen
  • Butter oder Margarine zum Ausfetten der Form

Die Brötchen werden in Scheiben geschnitten und mit der Milch übergossen. Um die Brötchen weich zu machen, eine halbe Stunde ziehen lassen. Die Eier trennen und das Eiweiß zu Schnee schlagen. Die Butter schaumig rühren und Zucker, Eigelb, Brötchen, Zimt und Zitronenschale dazugeben. Alles gut vermengen. Vorsichtig den Eischnee unterheben und zuletzt die gewaschenen und abgezupften Kirschen dazu geben. Bei Kirschen aus dem Glas vorher den Saft abseihen. Die Masse in eine gebutterte Auflaufform geben und bei mittlerer Hitze (Heißluftherd 160 – 180 Grad, Ober- und Unterhitze 180 – 200 Grad) ausbacken. Der Auflauf sollte oben bräunlich sein und durchgehend fest.

Scheiterhaufen

Der Scheiterhaufen hat – je nach Region – verschiedene Namen und ist oft auch unter „Ofenschlupfer“ bekannt. Auch hier werden Brötchen vom Vortrag oder übriges Brot verwendet. Für die Äpfel bietet sich auch Fallobst an. Vieler Orts stehen Apfelbäume auf öffentlichem Grund und es ist genug Fallobst darunter, das nur aufgeglaubt und ausgeschnitten werden muss. Die jeweilige Gemeinde gibt in der Regel darüber Auskunft, wo geglaubt werden darf.

Zutaten:

  • 4 Brötchen (oder übrig gebliebenes Weißbrot)
  • 4 Äpfel oder entsprechend viel ausgeschnittenes Fallobst
  • 2 Eier
  • eine Handvoll Rosinen
  • 4 Esslöffel Zucker
  • Zimt
  • ½ Liter Milch
  • Butter und ev. Honig
  • Weckmehl
  • Butter oder Margarine zum Ausfetten der Form

Die Brötchen werden in Scheiben geschnitten und mit so viel Milch übergossen, bis alle einweichen können. Mindestens eine halbe Stunde ziehen lassen. Währenddessen die Äpfel entkernen und klein schneiden. Wer möchte kann diese auch vorher schälen, die gesündere Variante sind ungeschälte Äpfel. In die restliche Milch Eier, Zimt und Zucker einrühren. Nun wird in die eingefettete Form immer abwechselnd das eingeweichte Brot geschichtet, dieses mit Rosinen bestreut und dann eine Lage Äpfel drüber gegeben. Die letzte Lage sollte Brot sein. Das ganze mit der gezuckerten Eiermilch übergießen. Alles sollte gut bedeckt sein, bei Bedarf einfach noch etwas Milch zugießen. Ein paar zusätzliche Kalorien kommen dazu, wenn man geschmolzene Butter mit Honig verrührt, ein paar Löffel Weckmehl über die Brotlage gibt und das Honigbuttersößlein darüber gießt. Es schmeckt dann aber auch besonders lecker und ergibt eine buttrige Brotkruste. Den Scheiterhaufen in den Ofen geben und bei mittlerer Hitze (Heißluftherd 160 – 180 Grad, Ober- und Unterhitze 180 – 200 Grad) ausbacken. Der Auflauf sollte oben bräunlich sein und durchgehend fest.

Apfelküchle

Diese Küchle werden oft zusammen mit Hollerküchle gemacht. Wenn zum Beispiel noch Teig von den Hollerküchle übrig ist, kann ein Apfel geschnitten (und bei Bedarf geschält) werden und mit dem Restteig verwendet werden.

Zutaten:

  • 2 bis 3 Äpfel (je nach Größe)
  • 200 g Mehl
  • 2 Eier
  • 2 Tassen Milch
  • 1 Prise Salz
  • 1 Prise Zucker
  • Zimt und Zucker Gemisch

Die Apfel mit einem Kerngehäuse-Ausstecher entkernen und in runde Scheiben schneiden. Milch, Eier, Salz und Zucker verrühren. Löffelweise das Mehl zugeben. Bei Vollkornmehl etwas weniger nehmen und dazwischen gehen lassen. Der Teig sollte dickflüssig sein. Die runden Apfelscheiben in den Teig geben, mit einem Schöpfer herausholen und in der Pfanne von beiden Seiten ausbacken.

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